Buchrezension - "Ich hätte es wissen müssen" von Tom Leveen

Quelle: Hanser Verlag
In die Leseprobe zu "Ich hätte es wissen müssen" wollte ich eigentlich nur mal kurz reinschnuppern. 
Der Klappentext erinnerte mich zu sehr an "Mein Herz und andere schwarze Löcher": schon wieder ein Depri-Teenie-Jugend-Drama. 
Doch ich konnte bei der Leseprobe nicht aufhören und so freute ich mich riesig, dass ich das zweite Werk des Autors Tom Leveen vorablesen durfte!

Mitten in der Nacht erhält Victoria Hershberger, genannt Tori, einen mysteriösen Anruf. Andy, der Junge am anderen Ende der Leitung will sich umbringen und behauptet, Toris Nummer zufällig gewählt zu haben. 
Zunächst ist sie misstrauisch und will ihm nicht glauben, schließlich kennt sie seit einiger Zeit alle möglichen irrwitzigen Telefonstreiche. Warum? Nun, Tori ist angeklagt, für den Selbstmord eines Jungen in ihrem Alter mit-verantwortlich zu sein. 
Kevin Cooper ist unter seinen Mitschülern nicht gerade beliebt. 
Er und Victoria waren mal so etwas wie Freunde. Doch sie will unbedingt zu einer der angesagtesten Cliquen gehören und so macht sie mit bei den Beschimpfungen via Facebook die oftmals unter die Gürtellinie gehen. Kevin kommt damit nicht klar und geht schließlich den letzten Schritt...
Nun soll sie Andy einen Grund geben, warum sich das Leben lohnt und Tori weiß nicht, ob sie ihm helfen oder einfach auflegen soll. 

Tom Leveens Roman greift ein sehr ernstes Thema auf: Internet-Mobbing speziell von Jugendlichen. Wie ist das eigentlich in der heutigen Zeit, wo so ziemlich jeder (Jugendliche) ein Konto in einem sozialen Netzwerk hat? Wo sich jeder hinter seinem Notebook-Bildschirm verschanzt und seine ganzen Aggressionen im Internet los werden kann, wo es weder Eltern, noch Lehrer, noch die Öffentlichkeit mitbekommt?
Heutzutage ist es einfach, Menschen zu beschimpfen und beleidigen, ist man doch in gewisser Weise von der Anonymität des Internets geschützt. 
Schnell werden "Freundschaften" geschlossen (oder beendet), Sätze gepostet, ein Status oder ein Foto kommentiert ohne groß darüber nachzudenken, was das für die betreffende Person bedeutet.  

Es gibt Menschen, die den Groll der anderen auf sich ziehen, ohne etwas "verbrochen" zu haben. Es gab sie schon immer, es gibt sie noch und es wird sie wohl auch in Zukunft immer geben.
Es gibt Menschen, denen ist die Meinung anderer egal und sie stecken Beleidigungen mühelos weg. Doch es gibt auch Menschen, wie Kevin Cooper. Menschen, die sich das Urteil ihrer "Freunde" sehr zu Herzen nehmen. Menschen, die nicht damit klar kommen, wenn sie beschimpft und beleidigt werden und die dann den - für sie - einzig sinnvollen letzten Schritt gehen. 

Dem Autor ist ein sehr guter Roman gelungen, der eine überraschende Wendung nimmt!
Am Ende ist man hin- und hergerissen, auf wessen "Seite" man nun stehen soll. Trifft Tori und ihre Clique keine Schuld? Hätte irgendjemand Kevins Tod verhindern können?
Dazu - zu der Gerichtsverhandlung und dem Urteil - hätte ich mir noch ein kurzes Schlusswort gewünscht. 
Aber alles in allem ist "Ich hätte es wissen müssen" ein Jugendroman, der nachdenklich stimmt und vielleicht / hoffentlich dem ein oder anderen die Augen öffnet. 


Diese Rezension ist ebenfalls einsehbar auf vorablesen.de!




Daten zum Buch:
Titel: "Ich hätte es wissen müssen"
Autor: Tom Leveen
Verlag: Hanser Literaturverlage
Genre: Roman
Seitenzahl: 208
ISBN: 978-3-446-24931-8
Erschienen am: 27.07.2015

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Bienenstich-Muffins mit Vanillecreme

Einhorn & Einhorn-Pralinen